Samstag, 21. November 2009
Yes, ve cen!
Vor über einem Jahr wurde Barack Obama zum Präsidenten der USA gewählt, und noch immer gibt es deutsche Nachrichtensprecher und andere Medienleute, die den Namen Barack wie B'äreck aussprechen (Betonung auf der ersten Silbe). Klar kann man von Krethi und Plethi derartige Kenntnisse nicht verlangen, die sollen sich lieber mit der Politik des eigenen Landes beschäftigen, aber wer sich Journalist nennt, kann durchaus mal ein bisschen recherchieren; dank der digitalen Vernetzung kann man dies ja auf unterhaltsame Weise tun, zB indem man amerikanische Late-Night-Shows guckt oder Blogs wie USA erklärt liest.
Die Aussprache des Englischen ist in der Tat das schwierigste an dieser Sprache. Leider wird an unseren Schulen versäumt, auf die starken phonetischen Unterschiede zwischen Deutsch und Englisch hinzuweisen. Man sollte den Lernern in den ersten Unterrichtseinheiten ganz deutlich vor Augen führen, dass selbst Verschlusslaute wie /k/ und /t/ im Englischen in gewissen Positionen anders klingen als ihre deutschen Entsprechungen, von Lauten wie /w/ und dem berüchtigten th ganz zu schweigen. Dies sehen die Lehrpläne nicht vor, und so kommt es, dass man englischsprechende Deutsche überall sofort erkennt (mitunter erkennt man sogar den Dialekt (Sächsisch!)). Amis machen sich lustig über uns! (Beweiscomic)
Bemerkenswert, aber verständlicher ist, dass englische Fremdwörter unserer Muttersprache angepasst werden, vgl. bluff ("Blöff"), pumps ("Pömps"), Excel ("Éxl"), flush ("Fläsh"), hovercraft ("Huverkraft") oder route (na gut, ich lernte gerade, dass hierbei zwei Aussprachen richtig sind, wobei ich "raut" viel öfter zu hören glaube). Peinlich ist es, wenn selbst Unternehmen sich uneinig bzgl. der korrekten Lautung sind (T-Mobile, Red Bull (bei letzterem schwankt der Akzent)).
Ich möchte aber nicht nur mit dem ausgestreckten Finger auf "uns Deutsche" zeigen, sondern - ha! - mit dem ausgestreckten Finger auf englische Muttersprachler zeigen. Man denke daran, wie die so manches Fremdwort aussprechen. Der Firmenname Braun klingt wie "Braan", [ˈFolksva:gen] wird zum "Wolkswägen", Porsche zu "Porsch". Beim Louvre schwindet das "r", im Familiennamen LeFavre vertauscht man das "r" und das "v" einfach (Metathese), Van Gogh klingt wie "vän go", das erste "A" im Bandnamen ABBA wird lang, ebenso das "i" in pizza. Sehr schön ist auch der "orángutan(g)"! Und natürlich reimt sich Merkel auf Urkel. Man sieht also, wir leben in einer bunten Welt, wo jeder spricht, wie ihm das Schnäblein wuchs, und das ist auch gut so. Der Turm zu Babel ist nun mal gefallen, also sollten wir das beste draus machen. Dennoch heißt es [bəˈrɑːk], verdammt!
Samstag, 7. November 2009
Das F-Wort
In der letzten Folge von South Park (13.12 "The F Word") wurde ein höchst interessantes Phänomen behandelt, nämlich der Bedeutungswandel des US-amerikanischen Schimpfwortes fag (< faggot). Es lässt sich momentan am besten mit "Schwuchtel" übersetzen, die Bedeutung verschiebt sich aber anscheinend in Richtung "rücksichtslose, laute Person" allgemein und wird von den South-Park-Kids speziell für die scharenweise auftauchenden, lärmenden Harley-Fahrer verwendet. Hier passt das deutsche Wort "Schwuchtel" nun überhaupt nicht mehr, denn dieses wird (noch?) ausschließlich für Homosexuelle gebraucht. Die Übersetzer werden also wieder einmal vor ein nervenraubendes Problem gestellt werden.Interessant ist, dass homosexual nicht die ursprüngliche Bedeutung von fag ist; das Wort hat - wie in dieser Episode dargestellt - eine bewegende Geschichte hinter sich. Im "Etymologischen Wörterbuch der englischen Sprache" von Ferdinand Holthausen (1927) steht noch folgendes: "fag schwer arbeiten, ermüden, < fa'got (oe) Bündel". Genaueres kann man auch an mehreren Stellen im Internet nachlesen, kurzgefasst ging das alles wohl so: Grundbedeutung "Reisig-, Feuerholzbündel" > "alte Frau" (Hexe, die auf dem Scheiterhaufen brennt? oder, naheliegender, Frau, die Feuerholz sammelt) sowie "arme Person" (die sich mit dem Sammeln von Feuerholz Geld verdient); beziehungsweise Nebenentwicklung vom Kollektivum zum einzelnen "Stock, Holzstück", daher vielleicht der britische Slangausdruck für "Zigarette" (< "kleiner Stock"); außerdem kommt von der Tätigkeit des Holzsammelns das oben aufgeführte Verb. Einmal im Bereich der Pejorative angekommen, kann fag(got) schließlich für jede beliebige Randgruppe herhalten. Wenn es aber nun mit dem allseits beliebten douche(bag) bedeutungsgleich wird, muss douche eine neue Bedeutung erhalten, denn Synonymvermeidung ist ein Prinzip des Sprachwandels.
P.S.: Das Blog ist jetzt wieder werbefrei und damit hübscher anzusehen. Man verdient mit den Google-Ads eh nur Peanuts.
Sonntag, 13. September 2009
Filmtitel V (Serien-Spezial)
- The Avengers --> Mit Schirm, Charme und Melone
- Terminator: The Sarah Connor Chronicles --> Terminator: S.C.C.
- The Dukes of Hazzard --> Ein Duke kommt selten allein
- Freaks and Geeks --> Voll daneben, voll im Leben
- Undeclared --> American Campus - Reif für die Uni?
- The Fall Guy --> Ein Colt für alle Fälle
- Two and a Half Men --> Mein cooler Onkel Charlie [nur in Österreich und der Schweiz]
- My Wife and Kids --> What's up, Dad?
- Mr. Terrific --> Immer wenn er Pillen nahm
- Get Smart --> Mini-Max [in der Kabel-1-Wiederaufführung 2009 allerdings unter OT]
- Dynasty --> Der Denver-Clan
- The War at Home --> Hinterm Sofa an der Front [in Österreich und der Schweiz: Familienstreit de Luxe]
- 8 Simple Rules (for Dating my Teenage Daughter) --> Meine wilden Töchter
- I Spy --> Tennis, Schläger und Kanonen
- Parker Lewis Can't Lose --> Parker Lewis - Der Coole von der Schule
- Riptide --> Trio mit vier Fäusten
Samstag, 15. August 2009
Leela und die Enzyklopoden (2)
Weiter geht's. Es sei noch erwähnt, dass ich auf die Neologismen der Eco-Feminists und den Slang von Judge Snoop Dogg nicht eingehen werde. Herrje, als Übersetzer wäre ich wohl daran verzweifelt.
00:32:15
Leela und die Eco-Feminists nach dem Sabotageakt.
Leela: Unfortunately, the media's gonna put a negative spin on this, like when we killed that guy.
Leela: Hört mal, die Medien werden dem Ganzen 'nen negativen Stempel aufdrücken, genau wie bei dem Kopflosen.
"like when we killed that guy" ist natürlich witziger, aber unter Wahrung der Synchronizität nicht ins Deutsche zu übertragen. Von daher eine okay-ishe Lösung.
00:32:35
Zoidberg will Leelas Blutegel verspeisen.
Leela: Zoidberg?
Zoidberg: Leela. Me saving things the leech. Not the eating of it.
Leela: Zoidberg, I'm very surprised at you slightly.
Leela: Zoidberg?
Zoidberg: Äh, Leela. Ich habe den Egel gefr- äh: gerettet. Du glaubst doch nicht ...
Leela: Zoidberg, ich bin schon sehr verwundert über dich.
Zoidbergs Gestammel wirkt auf deutsch nicht so gestammelt; und das "slightly" von Leela hätte auch mit in die Übersetzung eingehen sollen.
00:45:07
Fry als Nachtwächter. Er hört ein Geräusch.
Fry: What's going on in there? A scary noise?
Fry: Aaah, ist da jemand? Oder niemand?
Besser: "Was ist da(s)? Ein grusliges Geräusch?"
00:59:10
Zapps Raumschiff fliegt auf den Riesengorilla zu.
Zapp: Captaining 101: Go for the nose.
Zapp: Befehl 101: Ins Nasenloch!
101 ist die Kenn-Nummer für Einführungskurse an amerikanischen Universitäten. Übersetzungsvorschlag: "Regel Nummer 1: Immer der Nase nach!"
01:02:15
Leela: Don't give up yet. I've got one more trick up my sleeve.
Amy: That's exactly the number we need!
Leela: [...] Denn ich habe immer noch ein Ass im Ärmel.
Amy: Das ist die Ansage, die wir brauchen.
"Anzahl" statt "Ansage" wäre schon besser.
01:13:34
Ausbruch aus dem Gefängnis.
Leela: We're boned, Bender.
[... später]
Amy: Dogs! The boning continues!
Leela: Das war's dann wohl.
[... später]
Amy: Oh nein! Sie schicken Spürhunde!
Wie wäre es mit "Wir sind am Arsch" und später dann "Spürhunde! Jetzt sind wir im Arsch!" - Das wäre auch gleichwertig ordinär. :)
01:22:17
Zapp will die Flüchtlinge festnehmen.
Zapp: Kif, round them up. And spare me the weary sigh for once.
Zapp: Kif, umzingle sie, und erspar mir diesen armseligen Anblick.
Es geht hier um das genervte Seufzen Kifs, das er nach jedem Befehl / Kommentar von Zapp Brannigan hören lässt.
Ende.
P.S.: Eine gute Nachricht, Freunde! Futurama geht 2010 weiter.
Freitag, 14. August 2009
Leela und die Enzyklopoden (1)

Das vorerst letzte, drei neue Folgen umfassende Futurama-Direct-to-DVD-Abenteuer (OT: Into the Wild Green Yonder) scheint mir sprachlich noch abgedrehter zu sein als seine Vorgänger. Ja, man ist geneigt sich zu fragen, ob die englische Sprache in Sachen Ausdruckskraft und Variation der deutschen nicht doch überlegen ist. Man kann sich noch so sehr bemühen, (umgangssprachliche) Äquivalente zu finden, aber Wendungen wie "Sic them, Agnew" (deutsch: "Angriff, Agnew!"), "So dig this, Fry" ("Jetzt hör mal zu."), "Damn skippy" ("Ja klar doch.") oder "Drop the boot" ("Vollgas!") verlieren in der Synchro doch irgendwie an Farbe.
Manche Übersetzungen klingen wirklich "ganz stimmig":01:02:24
Zapp und Kif beobachten durch das Fenster die Männer im Go-Go-Käfig.
Zapp: Something's very wrong here ... and yet a little bit right.
Zapp: Irgendetwas stimmt hier nicht ... obwohl's ganz stimmig ist.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Deutsch-Hörer auch merkt, dass hier angedeutet wird, dass Zapp Brannigan mindestens bi-curious ist. Und auch wenn Fry, nachdem er erfahren hat, dass die Stimmen in seinem Kopf die Gedanken von anderen Wesen sind, ruft: "Oh mein Gott, oh mein Gott, ich hab's gewusst!", klingt das nicht so subtil-lapidar wie "Oh my God, oh my God ... well, that was pretty obvious." Nun aber zu den restlichen kleinen und größeren Patzern.
00:03:22
Zoidberg untersucht den verletzten Fry.
Farnswoth: Is he badly hurt, Dr. Zoidberg?
Zoidberg: I-- I don't quite know how to say this. Fry is dead.
alle: Oh, God! No!
Fry (erwacht): Ow! (stöhnt)
Zoidberg: Wait, not dead. The other thing.
Farnsworth: Wie schlimm hat's ihn erwischt, Dr. Zoidberg?
Zoidberg: Ich - ich weiß nicht, wie ich's sagen soll. Fry ist tot.
alle: Nein! Das kann nicht sein!
Fry (erwacht): Au! (stöhnt)
Zoidberg: Moment, nicht ganz. Nur ein bisschen.
Der Witz ist, dass Zoidberg ein so schlechter Arzt ist, dass er "tot" und "lebendig" nicht auseinander halten kann.
00:06:54
Fry hört Stimmen in seinem Kopf.
Fry: Who said that? I am not insane. Stop it! Stop talking in me!
Fry: Wer hat das gesagt? Ich bin nicht verrückt. Oh verdammt, sofort aufhören!
Besser: "Hört auf in mir zu reden!"
00:07:25
Fry fragt Hutch über die Stimmen aus.
Fry: So, what's with the obnoxious, shrieking voices? Are my fillings picking up The View?
Fry: Also was sind das eigentlich für schreckliche Stimmen? Empfangen meine Füllungen Radio?
Die Anspielung auf eine Talkshow mit gackernden Frauen geht in der deutschen Fassung verloren. Mir fällt aber auch keine Entsprechung ein ...
00:07:47
Hutch kommuniziert mit Fry im Gedanken.
Hutch: Testing, testing. Do you read me?
Hutch: Test, Test, zwo drei. Kannst du mich lesen?
"Do you read me" ist Militärsprache; "hören" hätte gereicht.
00:14:34
Bender meldet sich zum Pokerturnier an.
Donbots Frau: Bender, no. You can't beat the best players in the universe. You're not lucky enough.
Bender: Oh, no? I'm 40 percent lucky. The scrap metal I'm made from included a truckload of horseshoes from the luckiest racehorses in Mexico ... who had just been sent to a glue factory.
Donbots Frau: Bender, nein. Du kannst diese Meisterschaft gar nicht gewinnen. Du hast nicht genug Glück.
Bender: Ach nein? Ich bin zu 40% aus Glück. Ich bestehe zum Teil aus einer LKW-Ladung Hufeisen der glücklichsten Rennpferde Mexikos ... die gerade auf dem Weg in die Pferdemetzgerei waren.
Abgesehen davon, dass "Leimfabrik" durch "Pferdemetzgerei" ersetzt wird, geht ein weiterer Gag verloren. Die alte Frage, ob Pokern ein Glücks- oder ein Geschicklichkeitsspiel ist, wird in der englischen Version nämlich auf freche Art beantwortet.
00:27:05
Farnsworth: Ohh, twaddle-squat. There's no scientific consensus that life is important.
Bender: Yeah. Life, shmife.
Farnsworth: Ach, Firlefanz. Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens, dass Leben wirklich wichtig ist.
Bender: Ja, meine Rede.
Klarer Fall von Unübersetzbarkeit. Ich selbst versuche schon seit Jahren - erfolglos - das abfällige Kommentieren nach dem Schema xxx-schmxxx im Deutschen zu etablieren.
Das war der erste Teil. Morgen kommt der Rest.
Sonntag, 12. Juli 2009
Filmtitel IV (mit Bonus: Buchtitel)
- What Happens in Vegas --> Love Vegas
- Tremors --> Im Land der Raketenwürmer
- Mo' Money --> Meh' Geld
- Toxic Avenger --> Atomic Hero
- Cradle 2 the Grave --> Born 2 Die
- Il Grande Silenzio --> Leichen pflastern seinen Weg
- Ghosts of Girlfriends Past --> Der Womanizer - Die Nacht der Ex-Freundinnen
- The Promotion --> Topjob - Showdown im Supermarkt
- Che: Part One --> Che - Revolución
- Paura nella città dei morti viventi --> Ein Zombie hing am Glockenseil
- Airplane --> Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug
- Bride of the Monster --> Die Rache des Würgers
- Se sei vivo spara --> Django - Leck Staub von meinem Colt
- Buon funerale amigos... paga Sartana --> Sartana - Noch warm und schon Sand drauf
- Revenge of the Pink Panther --> Inspector Clouseau - Der irre Flic mit dem heißen Blick
- Don't Be a Menace to South Central While Drinking Your Juice in the Hood --> Hip Hop Hood – Im Viertel ist die Hölle los
- Spy Hard --> Agent 00 – Mit der Lizenz zum Totlachen
- The Return of the Living Dead --> Verdammt, die Zombies kommen
- Welcome to the Dollhouse --> Willkommen im Tollhaus
dem überträger, günter ohnemus, ist die malaise dabei noch aufgefallen, er schreibt dazu im kleingedruckten:
(Das "gegen" im Titel dieses Buches ist eine unkorrekte Übersetzung des "versus" in der Originalfassung, die dem Übersezter merkwürdigerweise erst sehr spät aufgefallen ist. Zu spät, denn er mag diesen Titel inzwischen so gern, daß er sich außerstande sieht, ihn noch zu ändern - ganz im Sinne von Richard Brautigans Gedicht
Ich kann einfach kein Gedicht finden
für diesen Titel.
Ich habe jahrelang nach einem gesucht,
und jetzt geb' ich auf.)
wobei, praktischerweise, zwar nicht brautigans gedicht, wohl aber brautigan selbst seit einigen jahren (genau seit 1984) tot, verstorben und in seinem eventuellen widerspruchswillen nicht unerheblich eingeschränkt ist.<<
Samstag, 4. Juli 2009
Unübersetzbare Wörter
Trotzdem ist es mitunter amüsant, solche Wörter aufzuspüren. In seinem Roman Schlangenfieber listet Robert Twigger einige Wörter aus der zentral-ost-malayo-polynesischen Sprache der indonesischen Insel Buru auf:
- abo: im Dunkeln seinen Weg ertasten
- ahak: einen Schrei ausstoßen wie ein Adler im Flug
- bofel: der Wasserwirbel einer Schlange, die aus einem Fluss auftaucht
- boso: sich den Anus waschen
- epkasiak: bei einem Streitgespräch die Seite vertreten, die im Unrecht ist
- resucrer qc.: etwas wiederzuckern
- un traversin: eine Schlummerrolle
- le cahier de texte: ein in der frz. Schule spezielles Heft, in das die Schüler eintragen, welche Hausaufgaben sie aufhaben (NICHT: "Hausaufgabenheft"!)
- le mercuchrome: rotes Desinfektionsmittel für Wunden
- une dérive: ein Querruder
- un feutre: ein Filzhut
- un charcutier: ein Wurstwarenhändler
- une merguez: stark gewürzte Bratwurst
- Bof!: Ausdruck der Gleichgültigkeit
- hongroyer: Leder ungarisch bearbeiten
- rembucher: Wild wieder in den Wald zurückjagen
Dienstag, 23. Juni 2009
Zwei kurze Bemerkungen
1. Das hat zwar nur bedingt etwas mit Übersetzungen zu tun, ist aber wert, festgehalten zu werden. Falls Sie den Film Bank Job noch nicht gesehen haben, holen Sie das jetzt nach.
Okay? Gut. Jetzt schauen Sie sich bitte den deutschen Trailer an:
Was fällt einem auf? Richtig: der deutsche Verleih möchte den Eindruck erwecken, es handle sich um eine Komödie im Stil von Ocean's Eleven (ich glaube, dieser Titel wird sogar auf der Rückseite der DVD-Schachtel genannt). Durch geschicktes Schneiden, Hinzufügen eines coolen Songs (T-Rex - "Get it on") und das Einbinden der einzigen zwei-drei witzigen Szenen des gesamten Films erhofft man sich, ein entsprechendes Publikum anzusprechen. Allerdings ist Bank Job beileibe keine Gangster-Comedy, sondern ein durchgängig ernster Thriller mit dramatischer Musik und bedrückenden Wendungen.
2. Ich wage zu bezweifeln, ob das Beibehalten der Umlautpunkte (im Englischen umlaut genannt) bei Brüno eine gute Idee war. Die Hauptfigur dieses sicher uninteressanten Streifens ist Österreicher, und im Bemühen um Nachahmung der deutschen Sprache haben die Macher halt die Pünktchen auf das u gesetzt (vgl. den Wikipedia-Artikel zum Thema Röckdöts). Nun habe ich neulich im Radio jemanden gehört, der das ü in Brüno tatsächlich wie ein /ü/ aussprach - so klingt der Name fast schon französisch. Was für ein Quatsch.
Donnerstag, 4. Juni 2009
Filmtitel III
Heute: Spezialausgabe - Originaltitel, die um einen bekloppten deutschen Untertitel erweitert wurden.
- Pulse - Du bist tot, bevor du stirbst
- Slither - Voll auf den Schleim gegangen
- The Rocker - Voll der (S)Hit
- Botched - Voll verkackt!
- Gridlock'd - Voll drauf
- Fools Rush In - Herz über Kopf
- Wedding Planner - Verliebt, verlobt, verplant
- Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt
- Bride Wars - Beste Feindinnen
- Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis
- Alien Autopsy - Das All zu Gast bei Freunden
- Carrie – Des Satans jüngste Tochter
- A Boy and His Dog – In der Gewalt der Unterirdischen
- WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf
- Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?
- 10 Items or Less – Du bist wen du triffst
- Great White Hype – Eine K.O.Mödie
- Mr. Wrong – Der Traummann wird zum Alptraum
- Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen
Diese Liste wird garantiert fortgesetzt; gerade im Horror- und Komödienbereich gibt es unzählige Beispiele für die zweifelhafte Kreativität mancher Verleih-Mitarbeiter.
Dienstag, 2. Juni 2009
Mirácoli
Eine solche Mirácoli-Packung, wie sie hier zu sehen ist, enthält neben den Spaghetti, dem Parmesan1 und dem Tomatenmark ein Tütchen mit der Aufschrift "Original Würzmischung für den unnachahmlichen Mirácoli-Geschmack".
Die Produktbezeichnung ist noch in vier weiteren Sprachen abgedruckt. Seltsam sind dabei die französische und die niederländische. Erstere lautet "Mélange secret d'herbes et d'épices méditerranéennes" ("Geheime Mischung mediterraner Kräuter und Gewürze"), zweitere "Geheime mengeling van zuiderse kruiden en specerijen" ("Geheime Mischung südlicher Kräuter und Gewürze"). [Interessant: "specerijen" geht wie das schöne deutsche Wort "Spezereien" und wie "spice" und "épice" auf dasselbe Wort zurück.] Die englische und die dänische Bezeichnung gleicht jeweils der deutschen, nur das "Original" fehlt ("Seasoning mix for the inimitable Mirácoli Taste" resp. "Krydderiblanding. Den rigtige Mirácoli smag"), wobei ich nicht weiß, ob das dänische "rigtig" die genaue Entsprechung zu "unnachahmlich" ist.
Es lässt sich also folgende Tabelle erstellen:

Das einzige, was allen fünf verschiedensprachigen Tütchenbeschriftungen gemein ist, ist das Element "Mischung". Was sich die Gestalter bei den zT stark abweichenden Übersetzungen gedacht haben, kann ich nicht einmal vermuten. Vielleicht hat es etwas mit Konsumentenpsychologie zu tun, vielleicht ist es nur Nachlässigkeit.
1 Hier irre ich. Laut Wikipedia ist "[d]er Name des beigefügten Trockenkäses – Pamesello [...] ein Kunstwort und soll an Parmesan erinnern, der im Käse jedoch nicht enthalten ist."
