Montag, 14. Mai 2012

Per Mausklick

 












Diese Google-Grafik zeigt das Auftauchen der Wendung "per Mausklick" in deutschen Nachrichtenportalen von 2004 bis heute. Ich bin weder Hellseher noch Extrapolationsexperte, doch ich meine, es besteht Hoffnung, dass die ausgeleierte Floskel "per Mausklick" in wenigen Jahrzehnten endgültig verschwunden sein wird. Die "Datenautobahn" haben wir ja auch hinter uns gelassen.

Sonntag, 13. Mai 2012

Kurz notiert: LOST 6.01

Dieser Beitrag liegt schon seit gut einem Jahr auf Halde. Es geht um einen Satz aus der ersten Folge der 6. Staffel von Lost ("LA X - Part 1").
In einem der "Flash Sideways" sieht der Passagier Dr. Arzt (für Nicht-Losties: Der heißt wirklich so!) den in dieser Realität berühmt gewordenen Fastfood-Ketten-Besitzer Hugo.

00:12:15
Arzt: [Laughing] You know who this is? This is--this is the owner of Mr. Cluck's Chicken. And he's--and he's back here riding coach with the rest of us yutzes!
Arzt: [lacht] Das ist so witzig! [lacht] Wissen Sie, wissen Sie, wer das ist? Ihm gehört Mr. Cluck's Hähnchengrill. Und, und, und er fährt mit dem Bus genau wie wir anderen Taugenichtse!

Wenn man auch nur mit dem Augenwinkel hinsieht, erkennt man allerdings, dass die Szene in einem Flugzeug spielt. "Coach" ist eine geläufige Bezeichnung für die Economy Class. 













PS: "Freuen Sie sich auf eine komplett überarbeitete, noch nutzerfreundlichere Blogging-Oberfläche. Jetzt finden Sie schneller die Funktionen, die Sie brauchen, und können sich ganz auf Ihre Blogposts konzentrieren." -- Aha. Nun, ich bekomme im Opera permanent "Fehler beim Ausführen", der Editor fügt nach wie vor willkürliche Zeilen ein, das Bilduploaden hat erst nach fünf Versuchen geklappt, und wenn ich mein Blog nach unten scrolle, sehe ich, dass alte Beiträge wieder in einer anderen Schriftart erscheinen, als ich damals abgespeichert habe. Fazit: Erst wenn ich ein verdammtes Mal einen Blogeintrag posten kann, ohne einen Nervenzusammenbruch zu erleiden, dann gratuliere ich Google auch mal.

Donnerstag, 1. März 2012

... wie aus einem schlechten Film

Auf Welt online las ich heute dies:

"Eine Geschichte wie aus einem schlechten Film: Ein Deutscher hat in Österreich seinen Tod vorgetäuscht. Er hatte vor, in den USA ein neues Leben anzufangen."

Was mich daran stört, ist die Phrase "eine Geschichte wie aus einem schlechten Film". Wirklich? Ist ein Film, in dem jemand seinen eigenen Tod vortäuscht, automatisch schlecht? Die Filmdatenbank imdb listet für den Tag "Faking Own Death" 28 Titel auf, darunter Der dritte Mann (Wertung: 8,5/10), Der Mondmann (7,4/10) und James Bond: Thunderball (7,0/10). 24 der 28 Filme haben eine Bewertung von über 5,0 erhalten, sind also alles andere als schlecht.

Viel zu schnell ist man mit der abfälligen Bemerkung "wie im schlechten Film" dabei, nur weil das Leben wieder einmal die bessere Geschichte geschrieben hat.

"Eine Geschichte wie aus einem schlechten Film: Vier junge US-Bürger sind in Nord-Philadelphia festgenommen worden, nachdem sie mit einer Petition Überwachungskameras hinterfragten." (netzpolitik.org)

"Wie aus einem schlechten Film erscheint, was am Dienstag in Lüttich geschehen ist: Mit Handgranaten und einer Pistole tötete ein 33-Jähriger zunächst zuhause eine Frau und später ein Kind und zwei Jugendliche am zentralen Platz der Stadt, bevor er sich selbst durch einen Schuss in den Kopf selbst tötete." (Welt online)

"Schon fast wie aus einem schlechten Film mutet die ausgestellte Technik an, mit der das MfS Menschen ausspionierte, mit Kameras in einer Gießkanne, einem Obstkorb, einer Aktentasche, sogar einem BH-Verschluss." (otz.de)

"Ein halbnacktes weinendes Kind rennt durch die verschneiten Straßen einer Großstadt. Bilder wie aus einem schlechten Film, die für einen kleinen Buben aus New York zur Realität wurden." (austria.ch)

"Wie in einem schlechten Film müssen sich die Insassen einer U-Bahn im Münchner Untergrund am Dienstagnachmittag vorgekommen sein. Der Zug der Linie U1 fuhr vom Hauptbahnhof bis zum Mangfallplatz sieben Stationen ohne einen Halt durch, dann wurde er durch eine Zwangsbremsung gestoppt." (donaukurier.de)

Ich zumindest könnte mir die genannten Szenarien sehr gut in unter die Haut gehenden Psychothrillern vorstellen. Ein Drama über festgenommene Netzaktivisten würde ich mir sofort anschauen.

Wann wäre es denn tatsächlich gerechtfertigt, eine wahre Begebenheit mit einem schlechten Film zu vergleichen? "Bombe in letzter Sekunde entschärft" - "Frau heiratet besten Freund statt reichen Verlobten" - "Polizist einen Tag vor Pensionierung erschossen" - "Außerirdische Roboter bekämpfen sich in Form von Autos auf der Erde!" Bei diesen Schlagzeilen würde sich natürlich niemand trauen, schlechte Filme heranzuziehen.


Sonntag, 19. Februar 2012

Intermezzo: Karneval-Stars, die es tatsächlich gibt

  • De Doof Nuss
  • De Huusmeister vum Bundesdaach
  • Ne Blötschkopp
  • Kribbelköpp
  • Klüngelköpp
  • De Vier Botze
  • Ne vertrottelte Student
  • Ne Kölsche Schutzmann
  • Ne Knallkopp
  • Schnäuzer Duo
  • De Räuber
  • Meenzer Kokolores
  • Röbedeuker
  • Et Zweigestirn
  • Blom un Blömcher
  • Dä Tuppes vum Land
  • De Müllemer Junge
  • Putzfrau Achnes Kasulke
  • Alt Schuss
  • Der Klopfer
  • Die Landeier
  • Dat Fimmäncher
  • Der fromme Jeck
  • Manni der Rocker
  • Begge Peder
  • Tino vom Taxi
  • Die Lobbese
  • Dui do on de Sell
  • Kölsche Dillendöppcher
  • Hastenraths Will
  • Tante Lilli
  • Helene Rrrump
  • Royal Trampelbumser
  • Die Althofener Tschentsche
  • De Wuschd
  • Der Hengst vom Taunus
  • Frau Brech und Frau Reiz
  • Rhöner Sauwäntzt
  • Die Gartenkrallen
  • Die Bronnweiler Weiber
  • Die Klappstühle
  • Polizei-Duo Alois und Elsbeth Gscheidle
  • Bauer Heinrich Schulte-Brömmelkamp
  • Rote Funken Harsewinkel
  • Band ohne Bart
  • Kättl Feierdaach
  • Der Dreggsagg aus der Rhön
  • Türkin Ayse

Sonntag, 12. Februar 2012

Grammatische Fehlgriffe auf Facebook?

Irre ich mich oder hieß es bis vor kurzem noch: Person X hat ihren Status ebenfalls kommentiert? Jetzt erhält man nämlich folgende E-Mail-Mitteilung, wenn man einen Status kommentiert hat und der oder die Poster(in) darauf geantwortet hat: Person X hat auch ihre Statusmeldung kommentiert.

Letzteres sagt etwas völlig Anderes aus: Person X hat mehrere Sachen kommentiert, darunter auch ihre Statusmeldung. Gemeint ist aber, dass Person X neben anderen Personen ihren eigenen Status selbst kommentiert hat. Ich bin normalerweise kein Vertreter der langweiligen Meinung, soziale Netzwerke lassen die deutsche Sprache verkümmern, aber hier liegt ein Missstand vor, der schwerer wiegt als die umstrittene "Timeline"!

Montag, 23. Januar 2012

Graph of the day

xkcd hat mich wieder einmal zum Lachen gebracht. Das Unwort "nachhaltig" wird in den USA anscheinend genauso inflationär gebraucht wie im deutschen Sprachraum (klicken zur Vollansicht):

Samstag, 21. Januar 2012

Rumliegendes

Vor einiger Zeit erinnerte ich mich aus heiterem Himmel an ein Wort aus dem Geographieunterricht, das ich schon damals, als ich es kennen lernte, überaus amüsant fand:

Rotliegendes

Ich schlug den Begriff bei Wikipedia nach (er bezeichnet eine Gesteinseinheit) und las dort, dass die Form Rotliegendes "fachlich nicht empfohlen" wird, "da sie als internationale Bezeichnung in nicht deutschsprachigen Ländern schwerer anwendbar ist". Stattdessen solle die nicht-deklinierbare Form Rotliegend verwendet werden. Das ist der Hammer! Denn dieses Wort wäre das einzige Beispiel einer echten sog. Nullableitung eines Partizips I!

Zur Erklärung: Eine Nullableitung liegt vor, wenn ein Wort von einer Wortart in eine andere Wortart übergeht, ohne dass sich die Form des Wortes verändert. Das passiert zum Beispiel, wenn man aus dem Infinitiv eines Verbs ein Substantiv macht: rennen --> das Rennen. Man nennt diesen Vorgang auch Konversion, wobei Konversion oft weiter gefasst wird und von vielen Linguisten auch Beispiele wie schlecht --> der/die/das Schlechte dazu gezählt werden. Demnach würde auch das Wort Rotliegendes <-- Partizip I rotliegend in diese Wortbildungskategorie fallen. Allerdings haben wir bei Rotliegendes bereits zwei Buchstaben mehr, nämlich die Nominativ-Singular-Endung -es.

Rotliegend aber ist eine Konversion im strengsten Sinne und als Derivation eines Partizips I einzigartig. Oder kennt ein Leser / eine Leserin ein weiteres Beispiel, möglicherweise ebenfalls aus einer Fachsprache? Dann her damit!

PS: Rotliegend heißt auf Englisch ebenfalls rotliegend. Andere geologische Fachwörter deutschen Ursprungs wurden leicht angepasst. Aus Gneis wurde gneiss, aus Quarz wurde quartz und aus Feldspat lustigerweise feldspar.

Dienstag, 17. Januar 2012

In uneigener Sache

Der Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Augsburg führt seit 2003 Online-Erhebungen für einen "Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA)" durch. Soeben ist die nunmehr 9. Runde gestartet, und ich möchte alle Leserinnen und Leser ermuntern, 20 Minuten ihrer Zeit für diese Umfrage zu opfern. Das macht Spaß und ist interessant, zumal es diesmal um "Dialekt-Klassiker" wie das Brathähnchen und die Voranstellung von Artikeln bei Personennamen geht.

Hier ist der Link.

Man beachte auch die Sprachkarten, die aufgrund der zuvor durchgeführten Befragungen erstellt wurden (Links links).

Samstag, 17. Dezember 2011

Kurz notiert: STERN, Elfen



Die Familie Obama hat kürzlich ein paar weihnachtlich verkleidete Kinder getroffen. Der Stern schreibt dazu: "Glaubt man dem Fotografen, waren diese als Elfen verkleidet, auch wenn sie eher wie Wichtel aussahen."
Tatsächlich, der Begleittext zu dem entsprechenden Reuters-Foto lautet: "President Barack Obama, first lady Michelle Obama and their daughters Sasha (L) and Malia greet children, dressed as elves, at the 'Christmas in Washington' celebration at the National Building Museum..."
Tja, das ist ja ein dolles Ding, dass in einem englischsprachigen Text die Folkloremännchen nicht mit dem deutschen "Wichtel" bezeichnet werden, sondern mit dem Namen, unter dem sie in Amerika seit dem vorletzten Jahrhundert bekannt und beliebt sind, Christmas elves.
Also, von einem Magazin, das einen halbnackten Mann und die Schlagzeile "Arbeit ist der neue Sex" auf dem Cover hat, hätte ich mehr journalistische Sorgfalt erwartet.

PS: Den Will-Ferrell-Film Elf hätte man in Deutschland wirklich als "Der Wichtel" oder so vermarkten können. Stattdessen entschied man sich für "Buddy – Der Weihnachtself".

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Gekommen, um zu bleiben

Eine kleine grammatische Schludrigkeit macht sich breit.

Material:

1. Süddeutsche Zeitung vom 9.3.2011: "Irgendwie hat er herausgefunden, dass mit zwei Töpfchen brennender Paste die Würstchen gerade noch nicht platzen, aber heiß genug sind, um sie zu verkaufen." Es geht um den Teil ab dem vorletzten Komma. Die Würstchen sind heiß genug, um sie zu verkaufen. Da stimmt doch was nicht! Die Würstchen sind hier eindeutig das Subjekt, und Subjekte stehen im Nominativ. In dem finalen Satzanschluss mit "um zu" stehen sie aber im Akkusativ (der dem Nominativ zufällig gleicht). Das (grammatische) Subjekt ist hier jedoch "er" (die Rede war von einem Imbissbudenbesitzer). Richtig wäre also: "[...] aber heiß genug sind, um verkauft zu werden." Ist es sehr päpstlich, diesen Lapsus zu bemerken und zu bemängeln? Ein Einzelfall ist dieses Beispiel nicht:
2. Die Historikerin Sybille Steinbacher im Zeit-Interview vom 17.3.11: "In der frühen Bundesrepublik wurden ehemalige NS-Verbrecher systematisch amnestiert, um sie in die Gesellschaft zu integrieren." Das Prädikat steht hier im Passiv ("wurden amnestiert"), der Infinitiv im finalen Satzanschluss aber im Aktiv. Korrekt wäre m.M.n. nur: "[...] um in die Gesellschaft integriert zu werden."

3. Süddeutsche Zeitung vom 17.3.11: "Deren Kleidung und Rucksäcke werden vor und nach den Besuchen außerdem penibel gereinigt, um keine Pflanzen oder Viren auf den Kontinent einzuschleppen." Hier ist es noch verrückter, denn das einschleppen bezieht sich hier weder auf die Kleidung und Rucksäcke noch auf die Reinigenden, sondern auf ein drittes "Subjekt", nämlich jenes, das sich hinter "deren" am Satzanfang verbirgt (im Satz davor ging es um Antarktis-Touristen). Mein Vorschlag: "Damit sie keine Pflanzen oder Viren auf den Kontinent einschleppen, werden ihre Kleidung und Rucksäcke vor und nach den Besuchen penibel gereinigt."
(zuerst veröffentlicht am 26. März 2011 in meinem anderen Blog)