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Samstag, 4. Juli 2009

Unübersetzbare Wörter

Unübersetzbare Wörter - gibt es die überhaupt? Sagen wir so: Es gibt Wörter, sehr viele sogar, die sich in anderen Sprachen nicht mit einem Wort wiedergeben lassen (über die Definition von "Wort" will ich mich jetzt nicht auslassen ...), sondern eine Paraphrasierung nötig machen. Solche obskuren Wörter - es gibt sogar ein entsprechendes Lexikon zu kaufen - entstehen infolge starker Bedeutungsverengung. Offenbar besteht manchmal das Verlangen, äußerst spezielle Sachverhalte in ein einziges Lexem zu packen. Aufgrund dessen Aussagen über die Lebenswelt der Sprecher zu treffen, ist mittlerweile nur noch bedingt zulässig; die sich hartnäckig haltende Mär von den "Schnee"-Wörtern der Eskimos wurde ja schon längst entmystifiziert. Und wer würde uns Deutschen einen Hang zum Sadismus vorwerfen, weil es für unsere "Schadenfreude" in anderen Sprachen keine Entsprechung gibt?
Trotzdem ist es mitunter amüsant, solche Wörter aufzuspüren. In seinem Roman Schlangenfieber listet Robert Twigger einige Wörter aus der zentral-ost-malayo-polynesischen Sprache der indonesischen Insel Buru auf:
  • abo: im Dunkeln seinen Weg ertasten
  • ahak: einen Schrei ausstoßen wie ein Adler im Flug
  • bofel: der Wasserwirbel einer Schlange, die aus einem Fluss auftaucht
  • boso: sich den Anus waschen
  • epkasiak: bei einem Streitgespräch die Seite vertreten, die im Unrecht ist
Weitere Wörter kann man in diesem Online-Wörterbuch finden. (Da steht allerdings, dass bofel lediglich ein Wirbel oder eine Aufwölbung im Wasser ist; nix mit Schlange.)  
Das Französische scheint eine besondere Affinität zu solchen "Spezialausdrücken" zu haben. Dies ist mir schon während der Schulzeit aufgefallen. Ich legte damals eine kleine Vokabelsammlung an, die ich zum Glück bis heute aufgehoben habe und Ihnen nun auszugsweise präsentieren kann:
  • resucrer qc.: etwas wiederzuckern
  • un traversin: eine Schlummerrolle
  • le cahier de texte: ein in der frz. Schule spezielles Heft, in das die Schüler eintragen, welche Hausaufgaben sie aufhaben (NICHT: "Hausaufgabenheft"!)
  • le mercuchrome: rotes Desinfektionsmittel für Wunden
  • une dérive: ein Querruder
  • un feutre: ein Filzhut
  • un charcutier: ein Wurstwarenhändler
  • une merguez: stark gewürzte Bratwurst
  • Bof!: Ausdruck der Gleichgültigkeit
Naja, so toll sind die Beispiele auch nicht, aber wenigstens veranschaulichen sie, was für einen nutzlosen Mist man zum Teil in der Schule lernt. Besser sind da schon die Wörter von Max Goldt, die er in seinem Text Der Mann, der sich wie die Kühe fühlt und die Frau, die nicht weiß, wann sie Middach kochen soll anführt:
  • hongroyer: Leder ungarisch bearbeiten
  • rembucher: Wild wieder in den Wald zurückjagen
Nach dem Hören dieser Kolumne bin ich überhaupt erst darauf gekommen, mich mit dem Thema zu befassen.
Die Amerikaner sind auch sehr kreativ, insbesondere was Neologismen im sexuellen Bereich angeht. Ich bin gespannt, wie das für South Park zuständige Synchronstudio das Wort queef in Episode 13.04 übersetzt. Auch gut: gaydar (aus gay + radar), guyliner (= Eyeliner für Kerle), das inflationär gebrauchte bi-curious (ich hörte mal irgendwo die holprige Übersetzung "bi-neugierig"), booty call (= ein Anruf, meist zu vorgerückter Stunde, mit dem Ziel, spontane erotische Arrangements zu treffen) oder dry-humping (is' klar, nicht?). Aber damit sind wir bereits in die Sphäre des Slangs eingedrungen, und darum es sollte es ja gar nicht gehen.

Dienstag, 2. Juni 2009

Mirácoli


Eine solche Mirácoli-Packung, wie sie hier zu sehen ist, enthält neben den Spaghetti, dem Parmesan1 und dem Tomatenmark ein Tütchen mit der Aufschrift "Original Würzmischung für den unnachahmlichen Mirácoli-Geschmack".

Die Produktbezeichnung ist noch in vier weiteren Sprachen abgedruckt. Seltsam sind dabei die französische und die niederländische. Erstere lautet "Mélange secret d'herbes et d'épices méditerranéennes" ("Geheime Mischung mediterraner Kräuter und Gewürze"), zweitere "Geheime mengeling van zuiderse kruiden en specerijen" ("Geheime Mischung südlicher Kräuter und Gewürze"). [Interessant: "specerijen" geht wie das schöne deutsche Wort "Spezereien" und wie "spice" und "épice" auf dasselbe Wort zurück.] Die englische und die dänische Bezeichnung gleicht jeweils der deutschen, nur das "Original" fehlt ("Seasoning mix for the inimitable Mirácoli Taste" resp. "Krydderiblanding. Den rigtige Mirácoli smag"), wobei ich nicht weiß, ob das dänische "rigtig" die genaue Entsprechung zu "unnachahmlich" ist.

Es lässt sich also folgende Tabelle erstellen:

Das einzige, was allen fünf verschiedensprachigen Tütchenbeschriftungen gemein ist, ist das Element "Mischung". Was sich die Gestalter bei den zT stark abweichenden Übersetzungen gedacht haben, kann ich nicht einmal vermuten. Vielleicht hat es etwas mit Konsumentenpsychologie zu tun, vielleicht ist es nur Nachlässigkeit. 


1 Hier irre ich. Laut Wikipedia ist "[d]er Name des beigefügten Trockenkäses – Pamesello [...] ein Kunstwort und soll an Parmesan erinnern, der im Käse jedoch nicht enthalten ist."